Die ausführlichste Dokumentation findet sich bei web.de. Richtet sie wohl an ProSieben-Zuseher.
Na gut, vielleicht muss ich etwas deutlicher werden:
Liebe Leser, die nicht nach Berlin kommen können!
Wie geht es Euch? Mir geht es gut.
So wie im Fernsehen isses nicht. Man geht nicht zur Berlinale, um Stars anzuschauen. Das interessiert nur Leute, die auf die Berlinale gehen, um Stars anzuschauen.
Man geht auf die Berlinale, um
- Menschen zu erleben, die aus Pappbechern Kaffee im Kino trinken,
- Menschen zu erleben, die nach 10 Minuten wichtig einen Kinosaal verlassen,
- Kinosäle gemeinsam vollzumuffeln,
- verrutschbare Kinosessel auszuprobieren,
- M&Ms zu essen, obwohl man es nicht darf (laut Verkäufer),
- den 1-2-3-Thrill auch außerhalb von Ebay (bei der Online-Bestellung) zu erleben,
- einen Platz neben sich freizulassen, um dann bei Nachfrage der Bienale-Aufsicht-Praktikanten die Hand zu heben oder auf Nachfrage meist blonder, dünner, schwarz behoster Mädchen 10 Sekunden vor Filmbeginn eins weiter zu rutschen, obwohl die ersten zwei Reihen noch frei sind,
- sich noch einmal bestätigen zu lassen, dass PraktikatInnen-Dasein jedweder Coleur kein ökonomisch-strukturelles, sondern ein komplexes, multikausales Geflecht aus Mode, Unterwürfigkeit (Wille zum Prekariat), Alter und Ambition ist.
Es gibt aber auch in diesem Jahr keinen Gund, bezüglich der Stars oder zuviel Kommerz zu jammern. Denn die Jury hat mal wieder bestes Gespür dafür bewiesen, die unbekanntesten Schauspieler, die wir auch in Zukunft nicht wiedersehen werden, und Filme, die bestenfalls auf arte nach 23.00 Uhr – Wiederholung nachmittags um 15.20 Uhr – laufen, auszuzeichnen. Man bleibt also weiter unter sich, weil sowas wie das, das zwar jeden interessieren, unterhalten und informieren könnte, er es aber gar nicht merkt, dass er was verpasst hat, wenn er’s verpasst hat, wohl kein richtig großes Publikum finden wird: